Eine belanglose Geschichte über mich und New York


NY, 07/12/10
Geschichte über Belanglosigkeiten
Diese Stadt ist so schnell, so unglaublich schnell, dass man meint, selbst die Uhrzeiger leisten sich ein Wettrennen. Auf meinem Weg zum Timesquare werde ich von geschätzten 1000 Menschen überholt, obwohl er keine 9 Straßen weiter liegt, als mein Hotel.

Die bunt leuchtende Werbung erzählt mir, der MC Donalds hier ist ein „Must see“, also begebe ich mich dorthin. Nicht wirklich hungrig, überlege ich mir, dass ein Orangensaft ja allemal ausreicht, zumal sehr lecker und frisch, was für McDonald-Verhältnisse wirklich ungewöhnlich ist. Und dann geschieht etwas, was mich – trotzdem es banal anmutet – doch überrascht. Die Zeit bleibt plötzlich stehen. Es dauert ganze 5 Minuten, bis ich nach der Order meinen Orangensaft erhalte. Die Kassiererin ist sehr langsam, wirklich sehr langsam. Aber das ärgert oder stört mich überhaupt nicht, in einer Stadt, in der Hektik neu buchstabiert werden müsste. Ich atme ein und aus.

Ich trinke meinen 300mL-Becher in etwa 30 Sekunden aus, und besuche die Toilette. Der Wasserstand der amerikanischen Toiletten ist viel höher als bei uns. Das fiel mir zunächst gar nicht auf. In meinem Hotelzimmer jedoch suchte ich – gefühlt waren es Stunden – ergebnislos die Toilettenbürste. Mich jetzt an den Roomservice zu wenden, erschien mir peinlich, zumal alles, was mir als Übersetzung einfiel, Toilette-Brush war. Wie gut, dass es das Internet gibt. Nun konnte mir zwar Wikileaks nicht helfen, aber in einem einschlägigen Forum erfuhr ich von dem erhöhten Wasserstand. Nun ist es indes nicht so, dass ich bis zu diesem Punkt nicht gespült, und mich von davon überzeugt habe, dass die Toilette sauber ist. Nein, ich bin ja kein Fink, zumal kein schmutziger.

Man lernt eben niemals aus, auch wenn die Taube aus dem Film „Fivel, der Mauswanderer“, gesungen hat: „Sag niemals, ja niemals: niemals!“

Mit dem Orangensaft, der mich mehr als gestärkt hat, fühle ich mich dermaßen überfüllt, dass ich überlege, was ich mit mir und meinem Zustand jetzt anfange. Tauben! Das ist doch eine gute Idee. Und dabei fällt mir auf: Es gibt hier gar nicht viele Tauben. Dafür aber Unmengen dieser grauen Eichhörnchen, die unseren deutschen, roten Eichhörnchen gerade Konkurrenz machen. Allerdings: in Sachen Dreistigkeit machen weder die hier ansässigen, noch die deutschen einen Unterschied. Man frisst aus der Hand, fast sind sie versucht, die Hand gleich mit zu essen. Wer auch immer diese Viecher einst als possierlich abgetan hat, hatte keine Ahnung. Witzig dabei finde ich übrigens, dass die Autokorrektur mir gerade vorschlägt, das Wort possierlich durch Positron zu ersetzen. Vielleicht denkt sie sich, possierlich könnte man jetzt auch für klein verwenden, und klein sind Positronen ja nun wirklich, neben ihrer positiven Ladung.

Aber eigentlich war ich ja in New York. Und wenn ich schonmal hier bin, kann ich ja auch Lobster -Hummer- essen. Eine passende Restauration, neben dem Hotel gelegen, bietet eben diese feil. Nicht mit p, sonst wäre es ja Pfeil. In dem eben genannten Restaurant gibt es riesige, aus Bronze gegossene und sich im Kreis drehende Hummer. Die nette Notiz gleich neben eben (Ha! Ein Stabreim!) diesen erregt meine Aufmerksamkeit. „Let the lobster dance!“ heisst es da. Makaber – Dafür, das hier stündlich geschätzte zwanzig Hummer im Kochtop landen, und sich höchstens dem Tanz von Messer, Gabel und Hummerzange hingeben. Aber ich schweige, zumal der Hummer sehr gut schmeckt, sozusagen auf meiner Zunge tanzt, ich bin versucht zu sagen: „let the lobster dance on my tounge“. Anyway, wieder im Hotel fällt mir der L-Knopf im Fahrstuhl auf. Kurz überlege ich: „Steht das jetzt für Lobster?“ – halten Sie mich ruhig für dumm, aber in eben diesem Moment bin ich betrunken, und ich finde, ein solcher Zustand rechtfertigt eine ganze Menge, wie z.B. „Lobster, Lobster, Lobster!“ singend ins Zimmer stürzen. Lassen Sie mich schliessen mit dem folgenden: Schade, dass ich zuhause keinen über ein L verfügenden Fahrstuhl besitze. Um ehrlich zu sein, ich habe überhaupt keinen Fahrstuhl. Aber New York, Lobster, Orangensaft und der Timesquare: Das ist eine großartige Kombination.

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3 Kommentare

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3 Antworten zu “Eine belanglose Geschichte über mich und New York

  1. Pingback: Tweets that mention Eine belanglose Geschichte über mich und New York « Herr Bohm's Welt -- Topsy.com

  2. mynutsthoughts

    Wow, sehr schön geschrieben und sehr interessant für mich da ich bald nach NY fliege – war noch nie da!
    Würde mich freuen, wenn Du mich noch mehr briefen könntest?!
    Danke, @mynutsthoughts
    Übrigens: Finde Deine Tweets klasse – wundere mich, dass ich Dich erst über diese NY-Geschichte entdeckt habe;-)

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