Und diese Augen.


Da war es nun, dieses bitterkalte Wasser namens Leben, in das ich geworfen wurde. Ich wüsste gerne, wie es von hier weitergeht. Diese Schwimmflügel, die alle „Ratschläge“ nennen, passen mir gar nicht. Also schwimmen. Schwimmen, ohne auch nur die Spur einer Ahnung, wohin. Denn das Leben ist Uferlos.

Auch egal. Zuckersüß, der Blick, den du mir zu wirfst, fast denke ich: Das ist er, mein Rettungsring. Diese Augen, diese Augen: Noch ein Meer. Ein leichtes, warmes Meer. Eine leichte Briese Liebe schlägt mir ins Gesicht: Es ist plötzlich so warm hier. Deine Augen, deine Augen: und immer noch kein Ufer.

Weiter im Programm. Eine Revue passiert, ein kurzer Blick zurück, warum auch nicht. Das kosmische Hintergrundrauschen, oder das komische, wer weiß das schon, es macht keinen Spaß mehr, dieses schwimmen, in diesen zwei Ozeanen. Den halt in dir verlieren.

Leise Schiffe, landlose Inseln, geräuschlose Emotionen und ein Blick, der gefriert. Ein zitterndes Fenster, die Scharniere der Läden verrostet, auf dem Fenstersims sitzt eine Katze und ich denke: Was passiert hier gerade? Stimmungslos. Ich meine ja nur: Eine Katze, ein Fenster, mitten im Meer. Deine Augen, deine Augen.

Zittern. Unterlippe, Augenlid, zittern. Ich denke an ein Schachspiel: Die Bauern schützen die Königin, neben dem König die wertvollste Figur, und du bist die Königin, und ich hätte es wissen müssen, dass ich nur der Bauer bin, gefallen in das Meer, als er zum Himmel fliehen wollte. Regentropfen dazwischen, aus dem Fenster: Deine Augen, deine Augen.

Ich habe hier draussen keinen Empfang, wozu auch, das Telefon ist nass geworden, die Staffelei, die mein Weltbild hielt: Sie ist zerbrochen und verbrannt, was komisch ist, denn hier ist nur Wasser, Wasser, und ein Fenster: Deine Augen. Und darum: Ringe. Keine Rettungsringe. Nur Augenringe. Ich werde müde, meine Arme werden schwer, da unten, wo es so tiefblau ist: Da ist vielleicht kein Ufer. Aber Halt. Halt am Meeresboden. Ich sinke langsam und schwer. Es wird Dunkel. Nur ein Unterwasserstern, der leuchtet, oder zwei: Deine Augen.

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