Die @Frau_vonWort und der @HerrBohm geben sich die Ehre.


Ein Austausch. Der erste Teil von @Frau_vonWort, der zweite von mir. Viel Vergnügen!

„Wir denken zu viel und glauben zu wenig“ Frau von Wort.

Wir lernen immer wieder Menschen kennen, von denen wir vom ersten Augenblick an hoffen, sie könnten diese sogenannten ‚Freunde füs`s Leben‘ werden. Wir stellen uns die gemeinsame Zeit miteinander vor, gegen die die Tagträume von J.D. wie die schwarz-weiß Erstverfilmung von King Kong anmuten. Wir planen insgeheim bereits das Auskatern am Strand von Mallorca, die Wettrennen auf Kängurus in Australien und die Posen für die Erinnerungsfotos auf der Freiheitsstatue. Diese Zeit wird die Zeit unseres Lebens! Ja.. Und dann treffen wir auf Menschen des anderen Geschlechts, die uns aus irgendeinem Grund auch sexuell anziehen und plötzlich sind unsere Gedanken vollgestopft mit Rohbauten von Traumhäusern, Farbfächern und Strukturtapeten, Möbelkatalogen, stinkenden Windeln und Babygeschrei. Was ist passiert? Wir denken nicht mehr an das tolle Leben mit all seinen Möglichkeiten und dem irrsinnigen Spaß. – Wir überlegen, ob er der Richtige ist. Der Mann, den wir behalten wollen, mit dem wir den Alltag meistern können und der der liebevollste Vater der Welt für unsere 2,3 Kinder und den Hund ist. Wir schauen ihn uns genau an. Wie er sich bewegt, was er sagt. Kann er sich im Leben durchsetzen? Wird er einen sicheren Beruf haben? Können wir mit den kleinen Macken leben, die ihn irgendwie weichlich erscheinen lassen?
Warum ist nicht die Frage wichtiger, ob wir die gleichen Filme und Serien mögen, oder der Kleinkrieg um die Fernbedienung schon vorhersehbar ist? Ob er trinkfest genug ist, um uns noch sicher nach Hause zu bringen, wenn wir längst unter dem Tisch liegen? Warum zählt nicht, dass er jederzeit nackt mit in irgendeinen Brunnen der Stadt springen würde?
Anstatt die Zeit des Kennenlernens zu genießen, stellen wir uns fast täglich die Frage „Kann ich ihn lieben? Fehlt er mir wirklich, oder ist es nur die Gewohnheit? Passen wir zusammen?“ Es gibt diese Männer, die uns umwerfen, die jede Zelle unseres Gehirns und jede Sekunde unserer Zeit ausfüllen, die wir nutzen, ihn anzuschmachten. Bei ihnen haben wir das Gefühl, wir platzen vor Liebe, wenn wir sie betrachten. Aber ist das richtig? So eine Liebe macht einen in den meisten Fällen kaputt. Immer das Gefühl, nicht gut genug zu sein. Die Angst, er könnte sich jederzeit in eine andere verlieben und eine andere in ihn – er ist ja schließlich der Mann schlechthin! Aber sobald wir uns bei einem Mann wohlfühlen, uns geliebt und geachtet fühlen, uns sicher sind, dass er uns die Sterne vom Himmel holen wird – also plötzlich genau das bekommen, was wir verdienen, zweifeln wir an den eigenen Gefühlen. Wir denken zu viel nach, schauen in die Fenster unserer Nachbarn, begutachten das Essen am Nebentisch und erschnüffeln auf dem Klo die Marke des Vorgängers und fangen an zu vergleichen. „Wenn meine Freundin mit ihrem Freund schon so lange glücklich ist, dann muss ich mir auch so einen Menschen suchen, damit ich glücklich werde. Vielleicht muss ich mich einfach mal zwingen, den Richtigen zu lieben. Ich weiß ja eigentlich genau, wie er sein muss. Liebe kann sich ja auch entwickeln…“

„Wir glauben zu viel, und denken zu wenig.“ – Herr Bohm.

„When you’re friends say: What is it? You look like you saw a ghost“

Die Tür geht zu. Dann ist sie weg. Sollte das jetzt nicht weh tun? Sollte sich in mir nicht dieses Gefühl des Brennens regen, das eigentlich immer an diesem Punkt kommt? Die unendliche Sehnsucht? Wo ist sie hin? Die Uhr zertickt die Stunden, nichts passiert. Und ich frage mich: Wie kann das sein?

Diese Anfänge waren immer etwas Besonderes: Der erste Kuss, die erste Nacht, die ersten Tränen und das erste Lachen. Fühlt sich so Gewohnheit an? Wie grausam, denke ich, während ich die Zigarette anzünde. Ist die Glut nicht viel kälter, als sie sein sollte? Diese ganzen Erinnerungen: Würden Sie doch wie kalte Asche einfach abfallen, aber: Das geht ja nicht, das geht ja nicht, das geht ja nicht.

Warum auch? So ein Denkarium, wie es Dumbledore hat, das wäre sicher manchmal ganz praktisch: Die Erinnerung an etwas Schlechtes einfach hinein tun, den Schmerz vergessen. Aber wozu? Um den selben Fehler nochmals zu machen? Wie Nietzsche das beschreibt, in seiner ewigen Wiederkehr? Wie zynisch wäre das: Ein Fehler, der sich in seiner Perfektion auf das Ewige wiederholt, von dem wir aber nicht mehr wissen, weil er abgelegt ist. Und noch viel schlimmer: Wir können uns diesen Fehler immer wieder ansehen, wir können aber nichts anders machen: Er wird ewig stehen bleiben. In seiner ganzen Ästhetik.

Sie ist also gegangen, für den Moment. Und wird wiederkommen. Und wir werden uns küssen. Aber es wird nie wieder das Selbe sein. Weil wir nicht mehr die Selben sind. Weil ich nicht mehr der Selbe bin.

Vielleicht bin ich Peter Pan. Dann ist sie meine Wendy. Ein Märchen. Denke ich. Oder glaube ich. Wer weiß das schon.

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Ein Kommentar

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Eine Antwort zu “Die @Frau_vonWort und der @HerrBohm geben sich die Ehre.

  1. Wie so häufig, mag es auch hier ein guter Mix aus beidem sein. Das eine denken, glauben, fühlen, genießen – ohne das andere damit komplett auszuschließen. Ein bisschen Tagträumen, ohne damit gleich die festen Bahnen für sich und den Mitmenschen abzustecken … das Jetzt und Hier und Heute und BrunnenspringGedankenindieTatumsetzen genießen… ein bisschen hochrechnen= ausmalen und sich denken „was wäre wenn…“ – und dann doch problemlos mit den nassen Klamotten in verschiedene Richtungen zu entschwinden. Mit einem Lachen. Und sich wiederfinden zu längerem gemeinsamen Lebensbad. Oder auch nicht. Im Idealfall mit passender Ausrichtung beider Beteiligter. Danke für einen trotz aller Inhalte leichtfüßigen Doppeltext zum Morgenstart.

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