Märchen ohne Absatz und Pointe.


Ich habe Angst vor Märchen. Deshalb erzähle ich Sie so gerne: Man soll sich seinen Ängsten stellen. Dieses Märchen heißt: „Wie ich in eine Regebogenfalle tappte.“

Es war einer jener Morgen, die nur ein Montag schreiben kann: Es regnete stinkes Glitzer, Katzenbabys sangen ein Lied vom Capuccinotraum und ich lag, mit dem Nassrasierer bewaffnet, auf dem Bett. Fleißig rasierte ich den Hahn – zum Mittag soll es nämlich „cock aux vine“ geben – während Dr. Eulenberg, das in Philosophie habilitierte Nashorn, andächtig im Kerzenschimmer saß und die ganze Zeit „Brüste!“ rief. Ich fand das etwas verstörend, fast obszön, aber seit Dr. Eulenberg bei mir wohnt, sind viele Dinge anders geworden. Eigentlich würde ich gerne die Zeit zurückdrehen, und sein Obdachgesuch ablehnen, leider hat Eulenburg meinen Kontinuumumtransformator in einer Art wildem Aktionismus zerstört. Irgendwann lege ich Ihn einfach um und lade meine ganzen Freunde zum Nashornrückenessen ein. Allerdings wahre ich noch Contenance.

Endlich steht er auf und geht auf das eigens für Ihn errichtete Campingklo. Es ist, gerade in sozial schwierigen Zeiten, gar nicht so leicht, ein Campingklo in Eulenburgs Größe zu finden – Insofern bin ich fast ein wenig stolz. Nachdem ich das Huhn mittels Nassrasierer entfedert und mit einer handvoll Katzenbabys gefüllt habe, klingelt es. Dr. Zoidberg steht vor der Tür. Ob er denn einen Bissen haben dürfe? wagt er zu fragen, während er die Scheren über den Kopf klappern lässt und „wuhwuhwuh“ säuselt. Ich lasse die Tür ins Schloss fallen – soll er doch elendig verhungern! Krustentiere mögen weder Huhn noch Katze, zumal sie nicht vom Planeten Melmac stammen. Ich gehe wieder in die Küche, entlang der Stolpertreppe, die ihren Namen aus gutem Grund trägt. Mir schmerzt der Rücken. Es wimmelt hier von kranken Narzissten, die nur an sich und nie an mich denken. Meistens verstecken sie sich unter einem Lampenschirm, aber ich finde sie trotzdem jedes Mal und verscheuche sie mit einem preussischem Lachen. Ein paar Ausgefuchste von Ihnen verstecken sich dann zwar im Warenhausparkplatzkassiererhäuschen, wo sie ganz viel Stunk mit dem Kleingeld machen, aber das ist weit weg von mir uns stört mich nicht. Nun, hier, in der Kleinstadt, in der ich lebe, ist es Brauch, morgens die Eulen zu melken. Dies geschieht, indem man etwas Zauberglitzer über ihre Nester streut und ungeduldig wartet. Nach einer vom Spezialisten durchgeführten Kernspintomographie sind die Eulen dann aber durchaus bereit, Milch zu geben. Man muss das alles aus folgendem Grund wissen: Eulenburg ist gar kein richtiger Philosoph, sondern Arbeiter. In einer Quecksilbermine. So ein Skandal! Als ich das heraus fand, lies ich mir die Mine zeigen. Leider fiel ich in eine Regenbogenfalle und verstarb. Mein Zauberschürm mit ü konnte mir da auch nicht helfen. Deshalb ist hier jetzt auch Ende.

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