Hey @Max_Fraenkel! Verklär doch mal das Internet!


Einmal in der Woche lässt sich Max Fraenkel, unter Twitter bekannt als @Max_Fraenkel, das Internet erklären. Warum eigentlich? Oder: Warum eigentlich nicht?

Herr Fränkel, Sie lassen sich gut einmal in der Woche das Internet Erklären. Warum nicht stattdessen Pilot werden?

Damit ich anderen Leuten mit Fragen auf den Geist gehen kann, die nichts mit „Wer hat ihren Koffer gepackt, wann wurde ihr Koffer gepackt und was tragen sie für Unterwäsche?“ zu tun haben. Das einzige, das ich vermisse sind die Leibesvisitationen! Wie, das dürfen Piloten garnicht?

Keine Ahnung. Aber sicher treffen Piloten keine so spannenden Menschen wie Sie, immerhin sind die Kabinen ja von der Aussenwelt abgeschlossen. Was reizt Sie am Internet und seinen „Einwohnern“?

Die Vielfalt. Das Internet und vor allem Twitter fungiert für mich als eine Mischung aus Bühne und Selbsthilfegruppe. Für mich im gleichen Maße, wie für andere. Ich glaube fest daran, dass jeder Mensch ein interessantes Leben führt. Auf seine eigene Art und Weise. Ich bin als Individuum davon fasziniert, dass jeder Mensch auf der Welt ein ähnlich komplexes Leben, wie das Meine führt. Mit Gefühlen, sozialen Kontakten und Gedanken. Wenn Sie mal darüber nachdenken, was für eine riesige Komplexität ihre Umwelt dadurch innehat, dann wird Ihnen schwarz vor Augen werden. Nirgends wird einem das so aktiv bewusst, wie im Internet. (Und um ehrlich zu sein: Ausserdem Brüste.)

Das ist ja vielfach ein Schlagwort, auch und gerade auf Twitter: Selbsthilfegruppe. Was heißt das für Sie: Selbsthilfegruppe?

ch benutze Selbsthilfegruppe hier als übergeordneter Begriff für mehrere Faktoren: Zum einen in Ventil, das einem ermöglicht angestaute Gefühle loszuwerden ohne sie in seinem unmittelbaren sozialen Umfeld breitzutreten. Zum Anderen aber auch ein Umfeld, in dem man viele interessante Leute kennenlernen kann, die einem nach und nach – auch bei eigentlicher Unpersonalität der Kommunikatsionsweise – ans Herz wachsen können.

Angestaute Gefühle als Stichwort: Wo sind die Gefahren? Oder anders: Was nervt am Internet, an Twitter?

Ich schätze die Gefahren als relativ gering ein. Man kann, wenn es nervt, ja abschalten. Mache ich auch regelmässig

Ist es tatsächlich so einfach? Nachbardenunziation, wie war mein Ex im Bett: Für alles gibt es einschlägige Seiten. Reicht ein Schulterzucken? Oder braucht es tatsächlich die von vielen gerufene Regulation?.

Ich denke, dass eine Regulation in wenigen Lebenslagen Sinn macht. Ich führe hier immer gerne das Beispiel Selbstbestimmungsrecht an. Würde jeder machen, was er will, solange er nicht in das Selbstbestimmungsrecht eines Anderen eingreift wäre die Welt ein Planet mit weniger Verboten und mehr Liebe.

Ist das nicht eine schöne Utopie? Wie würden Sie reagieren, wenn Sie sich auf einer dieser einschlägigen Seiten (rottenneighbor!) wiederfinden würden?

Kannte die Seite bis eben tatsächlich nicht. Finde es amüsant. Was früher beim Tratsch im Kaffee oder im Wirtshaus ausgetauscht wird, kommt jetzt öffentlich ins Internet. Solange der Vorgang aber anonym passiert fände ich es witzlos. Wenn nicht anonym würde ich vermutlich das Gespräch mit dem Nachbarn suchen und ihm eine Packung Ohropax sowie einige Schmuddelheftchen und eine Flasche Schnaps schenken.

Reagiert der Münchener an und für sich denn da so gelassen? Und überhaupt: München. Warum?

Ich weiß nicht, der Münchner an und für sich ist nicht anders als jeder andere Deutsche. München ist eine schöne Stadt, nicht so aufgeregt wie zum Beispiel Berlin. Das wäre mir vermutlich auf Dauer etwas zu hektisch und ich würde in einem Sumpf aus Drogen und schneller Musik untergehen.

München, Berlin, New York – sind Sie ein Kosmopolit? Und muss man das in einer globalisierten Welt nicht auch sein?

Ich denke, dass es „für das Gefühl“ wichtig ist ein Zuhause zu haben. Einen Heimathafen quasi. Denn soll man aber auch so oft wie möglich verlassen, nur so kann man sich für andere fremdartige kulturen, wie zum Beispiel die der Preußen, öffnen. Kleiner Scherz am Rande. Reisen ist wichtig. Vor allem in Städte, die Kultur bieten. Wie es die drei von Ihnen aufgezählten zweifelsohne tun.

Und immer das Internet dabei haben! Wo im Internet findet man immer ein zu Hause?

Irgendwo zwischen meiner Timeline, Facebook und 4chan. Streichen sie 4chan, nehmen sie 9 Gag. Irgendwie passender.

Das Internet – ein rechtsfreier Raum. Ihr Kommentar?

Das Internet ist ein Raum, der von geltendem Recht noch nicht in Gänze erfasst werden kann – und das ist auch gut so.

Herr Fraenkel, wir danken Ihnen für das Gespräch.

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