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Das Schwere an leichten Tagen


Nach diesem Temperaturanstieg geht es einem doch gleich viel besser. Ich habe das Gefühl, die Leute schauen freundlicher, den alten Menschen wird eher ein Platz angeboten, und selbst das Gebrüll der Kinder in der Bahn wirkt wie leises Vogelzwitschern. Jedenfalls solange, bis die Bahn zu voll ist. Dann wird alles, aber auch wirklich alles nervend. Die garstig schreienden Kinder, die schwitzende Meute, die telefonierenden wanna-be´s – Ich verliere mich in leicht panikartigen Attacken und dem Gefühl, plötzlich an Platzangst zu leiden.

Wissen Sie, ich bin ein Anhänger des Determinismus. Alles hat eine Ursache, und eine Ursache erzeugt eine Wirkung. Ein ewiger Wechsel, Ursache, dann Wirkung, wird wieder Ursache, und so weiter, ein ewiger Kreislauf, hinter dem wir keine Gesetzmäßigkeiten erkennen können oder wollen, obschon es sie gibt. Wir sind nur viel zu primitiv, zu begreifen, was um uns herum geschieht. Verstehen sie mich nicht Falsch, es gibt einen freien Willen, einen Gestaltungsraum in dem Sie sich bewegen können. Ich habe aber erkannt, dass es Dinge gibt, die einen so beeinflussen, eine Macht entwickeln, über das eigene Ich, die – objektiv betrachtet – viel gewaltiger ist, als wir es uns je vorstellen können. Ich sage Dinge, ein einfaches Wort, und meine  Erinnerungen, Erlebnisse, Tage, Menschen – Sie wissen schon.

In diesem Raum, den wir als unsere Freiheit begreifen, streben wir nach Glück. Wenn wir glücklich waren, merken wir das, meist hinterher. Obschon wir auch das wissen, sind wir nicht in der Lage, den Moment zu genießen. Und bei allem, was wir auf diesem Wege tun, dem streben nach Glück, fragen wir uns, warum wir tun, was wir tun. Warum wir sind, wer wir sind. Wieso wir gerade so handeln. Überlegen Sie sich das: Wir stellen uns so wichtige Fragen, sind aber zu Blöd, die einfachsten Zusammenhänge, die wir ja kennen, zu nutzen.

Für mich bedeutet das, jene oben erwähnten „mir-auf-dieNerven-Geher“ sind bestandteil einer kosmischen Formel, die womöglich versucht ist, mich ganz einfach in den Wahnsinn zu treiben. Nun gut, ganz so arrogant bin ich nicht, ich glaube, das Universum hat wichtigere Probleme. Allenthalben komme ich aber zu dem Schluss, dass es uns einfach vergessen hat. Weshalb wir lauthals telefonieren und uns wie von Sinnen in eine Bahn stürzen, obwohl zwei Minuten später eine weitere, womöglich nicht so gefüllte folgt.

Was will ich sagen? Schreien wir doch alle gen Himmel: „erinnere dich“, statt ins Telefon zu brüllen. Hört auch jeder, ist aber geselliger.

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Du, ich, Namen, Augen: Nenn es Brief.


Manchmal glänzt man mit Abwesenheit, trotz eigentlichem Dasein. War das so bei dir? Dem Duft meiner Jacke nach nicht. Und doch, als hätte jemand plötzlich einen Graben zwischen uns gelegt, so fühle ich mich jetzt, nachdem ich weg bin. Und ich frage mich auch, ob ich zu viel denke. Während deine Füße auf meinen Landen, sagst du mir, dass meine Lippen schön sind, doch ich fühle, dass sie unvollkommen sind, vielleicht weisst du warum, vielleicht weisst du es irgendwann. Ich sehe es nicht als Aufforderung, wenn mir jemand sagt, küss mich, vielleicht hätte ich das tun sollen. Aber zwischen allen, zwischen uns, diese Namen. Derer es nun auch noch zwei sind. Ich will nicht sagen, dass ich Liebe, so etwas entsteht, wir wissen das beide, wir haben das beide erlebt. Ich begehre.

Augen, so groß wie der Riss in mir, sehen mich an, Augen, die so vertraut sind, ohne dass ich sie verstehe. Deren Blick ich nicht lange Standhalten kann, ihrem Blick aber nicht weichen will. Die jetzt an meiner Wand zu hängen scheinen, sich meiner bemächtigen. Ich erinnere mich, als ich an den Gerberas vorbeilaufe, dass sie deine Lieblingsblumen sind, ich glaube, du wirst dich freuen, neben der Kamera, und als du mir sagst, eine gerade Anzahl bringt ja Unglück, erinnere ich mich daran, dass ich genau das weiss. Es fühlt sich an, als hätte ich einen Fehler gemacht, ich glaube, entweder das Falsche zu tun, oder das Richtige einfach nicht zu tun. Ich ertrage dein schwärmen schon fast, den Namen geltend, Risse über Risse. noch nie kam mir ein Wochenende so lang vor, noch nie verging ein Tag so schnell. Noch nie war das süß war gestern so metaphorisch, wie es morgen sein wird. Eigentlich fand ich die Kellnerin nicht mal hübsch, wenn ich auch lachende Gesichter mag.

Als ich den ganzen Kram (Objektiv, Gegenlichtblende, Stativ, etc.) einpackte, stelle ich sie mir vor, diese großen Augen, jetzt wird mir bewusst, dass ich dich kenne, und dich eben doch nicht kenne. Es war weg, dieses kleine, quirlige Wesen, als hätte es jemand plötzlich in den See geworfen.

Von Schönheit glänzend, den leichten schwarzen Lidstrich über den Augen, unsere Jacke, die vielen Dinge, die ich sehe, rücken weg. Sind ungreifbar, fern, und nah. Mir fällt das denken schwer, mir fällt das Essen schwer. Du kennst das ja, dieses: Ich muss das jetzt haben. Aber ich muss nichts jetzt haben. Ein Wartezimmer, dass sich Zeit nennt; ganz beruhigt setze ich mich genau dort hin. Ich warte. Ich werde da sein. Unwissend, ob ich jemals aufgerufen werde.

Im Leben gibt es immer Menschen, es gibt Erinnerungen, Verknüpfungen. Ich hätte das wissen können. Und plötzlich sind sie aufgetaucht. Mir hätte das klar sein müssen. Manches Mal treffen einen die Dinge, wie Regentropfen immer irgendwann auf die Strasse treffen müssen. Alles ist im Fluss, ich schwimme. In deinen wasserfarbenen Augen schwimme ich. Bis zum ertrinken.

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Rote Kappen auf jungen Damen


Bitte alle Aussteigen. Dieses Märchen endet hier. Zur Weiterfahrt benutzen Sie bitte den Schienenersatzverkehr in Richtung Realität. Du meine Güte, dachte Rotkäppchen, Wo bin ich denn hier gelandet? Gerüche stiegen ihr in die Nase, die sie nicht kannte. Fremde Gerüche, schöne, aber auch bedrückende. Atemberaubend sozusagen.

Der Duft der Großstadt.

Was sie alles sah! Die vielen Menschen, die so ganz anders aussahen als sie selbst – ungleich bunter in ihrer Vielfalt, und doch so grau, betrachtet man jeden für sich. Die bunte Masse der schwarzweißen Einzelstücke. So unvereinbar, und trotzdem schlüssig. Sehenswert, sozusagen.

Der Glanz der Großstadt.

Und die Geräusche – das Quietschen der Bremsen, die wunderbare Melodie der Geige, und das schniefen des Mannes, der auf ihr spielte. Das Schreien der Kinder, dass lachen der Touristen. Quälende Laute, Berührende Töne – Ohrenbetäubend sozusagen.

Die Melodie der Großstadt.

Rotkäppchen geht die Treppen des U-Bahnhofes hinauf, sie fühlt unter sich erst den Beton, dann das Kopfsteinpflaster auf der Straße, die Menschen, die sie streifen, während sie sich vorbei drängeln – Der Wind, der mit Ihrer Kappe spielt. In Ihr Ohr flüstert – der Fremde, der Sie vorwärts schuppst. Sie spürt es.

Der Organismus der Großstadt.

Nun sieht sie den Bus. „SEV zur Realität“. Was bitte, heißt SEV? Sie steigt ein. Erblickt den Fahrer. Herr Busfahrer, warum haben Sie so müde Augen? Mund halten, hinsetzen. Und während der Fahrt nicht mit dem Fahrer sprechen. Entschuldigung. NICHT mit dem Fahrer sprechen! Entschuldigung NICHT!

Rotkäppchen setzt sich auf einen freien Platz. Erstaunlich leer, der Bus zur Realität, denkt sie. Plötzlich überkommt Sie Freude – da sitzt Großmutter! Großmutter, wie geht es dir? Doch Großmutter schaut sie fragend an. Rotkäppchen entdeckt plötzlich all die Flecken auf dem Gesicht der Großmutter. Altersflecken. Das weis Rotkäppchen natürlich nicht. Aber Großmutter, warum hast du so viele Flecken? Doch Großmutter schmatzt nur, schaut zum Fenster, und Rotkäppchen beginnt zu weinen. Sie geht, und setzt sich auf die hinterste Bank. Großmutter hat mich nicht mehr lieb, denkt Sie.

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Die Chemie der Dinge


Nach eingehendem Studium verschiedenster Dokumentationen, Lexika, Fachliteratur und der Annahme, es gibt keine höere Macht, die uns leitet, bin ich zu folgender Erkenntnis gekommen: Es lässt sich alles auf eine Formel bringen. Nichts gescheiht aus Zufall, seltsame energetische Ladungen oder Energien tragen uns hin, wo wir eben landen, unsichtbare Schalter treffen Entscheidungen, die nur aufgrund sich ausgleichender physikalischer Phänomene getroffen werden, und alles ist im Fluss. Selbst die Liebe lässt sich reduzieren auf einen biochemischen Prozess, gelenkt von Pheromonen werden wir blind, und nennen das dann Gefühl. Allerdings finde ich das nicht trostlos, ich kann das ja alles trotzdem genießen.

Mit meiner gewonnen Erkentniss begebe ich mich ins Huxleys, hier steigt eine Erotikmesse. Nicht, dass ich mich für gekaufte genüsse interessiere. Es ist mal wieder dieses kleine Wesen, das dort am stand steht. Das irgendeinen Schalter gelegt hat, oder mich anzieht wie der Gegenpol. Die kleine, fotografierende Nicki, die dort steht, in einer riesigen Barocken Halle, vollgestopft mir allerlei Krams aus allem möglichen Gefilden der Sexualität. Was für eine seltsame, explosive Mischung.

Ich frage mich, ob ich ganz normal bin, ich kann mit diesem überladenen, kaufbaren und exzessiv gefeierten Sex nicht viel anfangen. Da fehlt mir dann doch das Gefühl. Da stimmt dann sozusagen die Chemie bei mir nicht. Ich muss nicht auf riesigen Leinwänden Vaginas anstarren, während sich die Ecken meines Taschentuches ineinander verkleben, und mir Schweiss von der hochroten Stirn rinnt.

Die Zeit vergeht langsam, das finde ich ganz schön, auch wenn nicht viel zu sehen ist, ich führe schöne Gespräche, sehe tolle Augen, und zwischendurch leichtbekleidete Damen, die alle aussehen, als wäre Ihr Gesicht nach hinten gezogen und an den Hals getackert. Ich gehe mit dem wahrscheinlich schmierigsten Typen, den ich jeh gesehen habe, Essen holen. Für Nicki, Leila und mich. Irgendwie tut der Typ mir leid, man merkt, das keiner Ihn mag, und er merkt es nicht. Er schwitzt wie ein Tier, in seinem Auto Feuchttücher, mit denen er sich über die Hände fahren muss. Er tut mir leid, „in dieser Erde aus Granit“, irgendwie verloren.

Nicki sagt ja, ich soll schreiben, warum ich dann doch bis punkt 0:30 da war. Das allerdings beantwortet sich selber, und nachdem ich aufgebrochen war, kam der Andere.

Jetzt keimt bestimmt in euch die Frage: Wer ist der Andere? Ich spreche immer von dem anderen und mir, nennen wir ihn der Einfachheit halber Herr V. Nachdem wir einen der berühmten Berliner Spätis abegeklappert haben, beladen mit 10 Flaschen Bier unterschiedlichster Coleur, treten wir in meine bescheidene Kreuzberger Maisonetwohunung (ich bin mir ziemlich unsicher, ob man das so schreibt.). Es ist, wie immer, sehr lustig, wir reden über den letzten Lars von Trier – Film „Antichrist“, über Distanz zum Werk und persönlichen Leiden, die Obejektivität vermissen lässt, also so typisch pseudointellektuelles Gequatsche. Irgendwann allerdings beginnt mir die linke Brustseite wie Wahnsinnig zu schmerzen, mein Herz zerreisst, so fühlt es sich an. Ich überlege, ob sich da irgend etwas psychisches im phyisischen manifestiert, oder ob ich einfach einen Herzinfarkt erleide. Darüber tausche ich mich via Twitter auch am nächsten Tag mit der Steff aus, die meint, ich könne nach einem Herzinfarkt wohl nicht mehr schreiben, und da ich dazu noch in der Lage bin, beruhige ich mich etwas. Was mich dazu bringt, jetzt ganz locker das Thema zu wechseln.

Tocotronic hat mal gesungen, das „im Blick zurück“… die Dinge entstehen, und „im Blick nach vorn entsteht das Glück“. Während ich morgens am Bahnhof stehe, muss ich an diesen Text denken. Ich habe ein ziemlich interessantes Telefonat geführt, oder besser gesagt, ich habe eine geschlagene Stunde zugehört, und denke mir, jemand hat doch ein paar Leichen im Keller. Das kleine Wesen nämlich, dass sich vor ungefähr einem halben Jahr von Fürth trennte, um hier aufzuschlagen, in diesen Strudel, dieser bösen Falle, die sich Hauptstadt schimpft, und die uns alle aufsaugt, als seien wir Tropfen auf den heißen Stein. Aprubtes Gehen kenne ich, und ich kenne das Gefühl, das einen einholt, wenn man zurück blickt, oder gar zurück geht. Und auch wenn er viel Schnulze von sich gegeben hat, ich finde, in den folgenden Sätzen von Reinhard May steckt doch Wahrheit: „So törricht, wie die Zeiger der Uhren / anzuhalten und zurück zu dreh´n, / so törricht ist es auch, auf den Spuren / Lang vergang`ner Tage zu geh`n.“. Auch so eine Lektion, die ich schmerzlich lernen musste. Während also die Vergangenheit sinnbildend für unser Jetzt ist, erwarten wir das morgen, das sich aus eben jenem bilden wird, erwarten den Ausgleich der Formel, hoffen auf das Glück, die Bündelung der Energie zu einer Einheit. Und wir merken immer dann, dass wir glücklich waren, wenn wir es nicht mehr sind. Vielleicht gehört das auch zur Chemie der Dinge, vielleicht muss es so sein.

Der schöne Sonntag, der uns heute geschenkt wurde, mit diesem so wunderbaren Sonnenaufgang (http://twitpic.com/19y2zr), muss genutzt werden. Lizzy, eine Kollegin sozusagen, aus vergangenen Tagen, mit der Ich in einer Schauspielgruppe war, möchte wiedergesehen werden, wir schlendern vom Ubahnhof Eberswalder Strasse zum Kauf-Dich-Glücklich, Waffel essen, mit Eis und heißen Kirschen. Neben uns, die wir draussen sitzen, zwei Jungs, die auf Ihren Vater warten. Auf dem Tisch eine Vase, ein paar Veilchen darin. In dem Moment, als die Vase fällt, weil die Jungs ja immer am Tisch wackeln müssen, merke ich Ihn wieder, diesen Riss, von dem ich dachte, er ist weg, ich spüre mein Herz, der Regen setzt langsam ein. Jeder Tropfen füllt eine Sekunde, es tickt, unaufhörlich, es geht immer weiter, meine Bahn kommt, wir verabschieden uns, ich muss weiter, umsteigen, einsteigen, absteigen, aufschließen. Ich drehe mich um. Und ich sehe nichts, als meine Tür.

Im Traum hat mir Nicki ein paar Schuhe genäht, und ich merke heute, das meine Füße wirklich kalt sind, nicht metaphorisch, und ich Frage mich, wie unausgeglichen die Physik sein kann, oder eben die Chemie. „Wie soll ich Leben auf dem festen Land? Nur links und rechts und vorwärts und zurück. Der Druck der Tiefe und der Sprung über den Rand, sind Plus- und Minuspol vom Glück“, singt Herr Gundermann in mein Ohr. Ein fliegender Fisch im tiefen Meer, sagt er noch, „hier ist kein schwarz, kein weiss, nur blau“, und ich schlafe ein.

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Du bist schön


Aus der alten Zauberkiste krame ich folgenden Text.

Sonntage hauchen einen immer so eine Stimmung von neuem Leben ein. geht mir jedenfalls so. Bis dann Montag ist. Ich vermisse da immer diese Freiheit, die ein Sonntag hat. Die Sonne kann scheinen, sie muß aber nicht. Manchmal fällt Regen, manchmal hört man Musik und muß unwillkürlich mitregnen. Manchmal löst man zuviel Zucker in den Tee, den man ja heute, am Sonntag, trinken könnte. Manchmal löst sich genauso irgendetwas anderes auf. Und wenn man richtig gute Laune hat, dann kann man das U-bahn – Experiment wagen. Ich persönlich habe das mal in einem Buch gelesen. Also, hier die Anleitung zum glücklichen-sonntag verbringer oder wie man Botschafter für ein zweifelsfreies miteinander werden kann.

1. Fahrkarte kaufen (muß aber nicht sein)
2. In eine U-bahn steigen
3. die leute anschaun.
4. jemanden besonders schönes aussuchen. (subjektiv. kann auch jemand sein, der nicht schön ist. schön sind wir ja alle irgendwie.

Ab hier 2 Varianten:
5.1.: Du mußt aussteigen: du gehst zu der besonders schönen person und sagst: „Du bist schön“, steigst aus. Und hörst auf dein Gefühl. es sollte gut sein.

5.2.: Die Person steigt aus. du rufst aus der Bahn: „Entschuldigung, ICH hab was vergessen: Du bist schön!“. Weiterfahren. die leute die den Kopf schütteln ignorieren. lachen. und auf dein gefühl hören. es sollte gut sein.

____________

Wenn du das Geschaft hast, dann frag dich: wie hab ich mich dabei gefühlt? Das ganze hat fast performative Züge. Und überraschend kann es in jedem fall sein. die ganz mutigen warten nicht aufs aussteigen. manchmal kann ja dann was passieren, womit man nie gerechnet hätte (Im Zweifel: blaues auge). Und es kann natürlich passieren, das ihr beide aussteigen müsst. Es gibt keine Zufälle. Das jedenfalls ist meine Meinung.

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Begrifflichkeiten


Niemand wechselt seine Kleidung so oft, wie das Leute tun, die das ganz oft tun. So viel tun in einem Satz tut nicht gut, ich muss mich mal etwas beherschen. Nachfolgend meine Katzengeschichte, mit fröhlichem MIAU!

E s war eines frühen morgens in Lichterfelde, als eine wohlgenaehrte, jedoch etwas verwirrt in die Umwelt schauende Katze folgender Gedanke durch den Kopf schoss:
„Warum heisst dieser Ort nun eigentlich Lichterfelde?“

Sie sehen an dem in Gänsefüßchen daher kommendem Gedanken, dass diese durchaus wohlgenährte Katze nicht nur etwas verwirrt in die Umwelt schaute, nein, sie widmet sich auch den ganz grossen Geheimnissen dieser Welt. Was sollte sie auch sonst tun? Sie hat ja keine Sorgen. Sie ist wohlgenährt, gut, sie schaut etwas verwirrt in die Umwelt, aber sonst: Also, es geht ihr gut, Und wenn es einem gut geht, dann kann man sich eben mit solchen Sachen beschäftigen. Nun hoere ich sie schon von ferne Rufen:

Halt! Wenn, ja, wenn sich diese Katze den ganz grossen Geheimnissen unserer Zeit widmet, weil sie ja durchaus wohlgenaehrt ist, wenn sie auch etwas verwirrt in die Umwelt schaut, es geht ihr ja gut, warum, frage ich Sie
(fragen Sie mich?) schiesst ihr nicht durch den Kopf:

„Warum stehen meine Gedanken in Gänsefüßchen?“
An dieser Stelle schreite ich ein und sage:

Halt! Ich freue mich, dass sie dem Verlauf der Geschichte folgen, und wissen, dass jener Anfangsgedanke unserer wohlgenaehrten (wenn auch etwas verwirrt in die umwelt schauenden) Katze in Gaensefueschen stand. Oder das immer noch tut, er steht ja noch dort oben. Jedoch: Die Katze weiss ja nichts davon! Sie ist es ja, die denkt, und nicht schreibt. Das waere aber auch zu komisch: Eine wohlgenaehrte, jedoch etwa verwirrt in die Umwelt schauende Katze, der des fruehen morgens der Gedanke durch den Kopf schiesst: „Warum heisst dieser Ort eigentlich Lichterfelde?“ bemueht sich, in der Position des beobachtenden Erzahlers, zu eroertern, warum Ihr Gedanke in Gänsefüßchen steht. Das ist doch voellig absurd! Also setzen sie sich wieder hin, um Gottes willen, und bringen sie nicht den Verlauf dieser Geschichte voellig durcheinander. Stehen geblieben waren wir ja an folgender Stelle:

Eine – ich moechte das kurz betonen – wohlgenaehrte, obwohl etwas verwirrt in die Umwelt schauende Katze fragt sich, wieso der Ort Lichterfelde eigentlich so heisst, wie er heisst. Das war nicht etwa ein besonderer Gedanke. Sie fragte sich des oefteren Fragen solch weltbewegender Tragweite. Eines – und ich moechte betonen anderen – morgens beispielsweise, erhaschte unsere (sie wissen ja, wohlgenaehrt, etwas verwirrt in die umweltschauende) Katze eine Bachstelze. Dabei kam Ihr der Gedanke, das ein Bach ja keine Stelzen benoetigt. Ein Bach geht nicht, ein Bach fliesst, und noch nie hatte sie gehoert, das man zum fliessen Stelzen benoetigt. Das waere ja auch verrueckt! Und waere Ihr Name – Bachstelze naemlich – auch nur Metaphorisch fuer Ihre Stelzenartigen Fuesse, so macht es doch keinen Sinn, sie Bachstelze zu nennen. vielmehr ist unsere wohlgenaehrte, ja, sie wissen, auch etwas verwirrt in die Umweltschauende Katze geneigt, diesen Vogel Stelzenartiger Fuss zu nennen. Sie verwirft diesen Gedanken aber ganz, und bleibt bei Vogel. Jetzt hoere ich wieder jemanden rufen:

Halt! Wenn doch die Katze einen Blick auf eine Bachstelze erhascht, so muss sich Ihr Jagdinstinkt doch regen! Warum, frage ich Sie (fragen Sie mich?), beschaeftigt sich unsere Katze mit der Namensgebung eines Vogels, anstelle Ihn zu jagen?

Ich kontere gewitzt mit einem: „Halt!“, und bitte Sie, sollten Sie sich dieselbe Frage gestellt haben, sofort den Raum zu verlassen. Sie haben entweder nicht zugehoert, oder sind ein Idiot. Es ist ja eben nicht irgendeine Katze, sondern eine wohlgenaehrte, wenn auch etwas verwirrt in die Umwelt schauende Katze. Waere es eine Hungrige, womoeglich voellig idiotisch in die Umwelt grinsende Katze, ja, dann wuerde sie diesen Scheissvogel einfach fressen. Aber es ist nunmal keine Hungrige, womoeglich voellig idiotisch in die Umweltschauende Katze.

Wahrend jetzt also unsere Störenfriede hoffentlich den Raum verlassen haben, können wir ja in der Geschichte fortfahren.

Vielleicht erinnert sich der ein oder andere, das eine wohlgenährte Katze, die etwas verwirrt in die Umwelt schaut, eines Morgens tief in Gedanken versunken war, und sich folgende Frage ersann: „Warum heisst dieser Ort nun eigentlich Lichterfelde?“. Dieser, in Gaensefueschen daherkommende, und von Bachstelzen wahrscheinlich noch nicht gedachter Gedanke lag Ihr etwas schwer im Magen. Sie knabberte schon eine Weile an eben diesem, viel länger, als an der Bachstelze, an der ja auch nicht soviel zu knabbern ist. Nun wird sich sicherlich jemand erbarmen, und folgende Worte lautstark in den Raum trompeten:

Halt! Ich denke, die Katze ist wohlgenaehrt, wenn sie dabei auch etwas verwirrt in die Umwelt schaut! Ihr gefüllter Magen stillt doch Ihren Bluthunger, Sie haben doch gerade erst jemanden herausgeworfen, der nicht verstehen wollte, warum die Katze die Bachstelze nicht einfach frass! Und nun reden Sie davon, wie Sie an eben dieser knabbert! Ich frage Sie (fragen Sie mich?) schämen sie sich denn nicht, hier so ganz opportun durch Ihr Prosa zu huepfen, ohne Ruecksicht auf Verluste? Sie Lausebub!

Halt! Ich moechte kurz einwerfen, dass mir die Sache jetzt zu bloed wird. Nicht nur, dass sie nicht begreifen, dass jene wohlgenaehrte, wenn auch etwas verwirrt in die Umwelt schauende Katze die oben genannte Bachstelze Metaphorisch und nur in Gedanken abknabberte! Nein, das ist noch nicht Alles! Viel schlimmer die Tatsache, dass ich zum wiederholten male unterbrochen werde! Jetzt sage ich aber:

Halt! Ich habe keine Lust mehr, diese Geschichte zu erzählen.Sollte sich jemand fragen, warum Lichterfelde Lichterfelde heisst, so moege er in Lichterfelde eine wohlgenaehrte, etwas verwirrt in die Umwelt schauende Katze aufsuchen, um sich mit Ihr darüber aus zu tauschen. Worum es aber wirklich ging, in dieser Geschichte, das werden Sie nie erfahren!

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Das Sein und das Schöne


Heute fand ich mich an einem Ort wieder, der jenseits sprechender Nashörner, gefangener Einhörner und sonstiger Auswüchse phantastischer Parallelwelten liegt. Nennen wir ihn der Einfachheit halber Realität. Ich verwende in letzter Zeit häufig diesen einen Namen, Nicki nämlich. Dass wir uns häufig treffen, fast täglich schreiben und ich sie für wunderbar halte, mag diesen Umstand begründen. Nun gut, es ist 23:00, ich bin zu Hause, nachdem ich obiger Schönheit beim Messebau geholfen habe, nachher gehen wir und ihre Kollegin ins Sage. Ich schreibe das im Futur, als wäre es im werden begriffen, aber er ist schön geschehen, es ist vorbei, ich bin schon wieder zu Hause. Mir fielen heute, an diesem ersten Frühlingstag, jedenfalls meterologisch, viele Dinge auf. Berlin, dieses Ungetüm, spuckt dir ja einen Haufen Menschen vor die Füße. Die sich darstellen, die etwas sein wollen. Die die Welt als ihre Bühne begreifen. Nicki ist einfach. Das finde ich großartig, genauso großartig, wie das Wort großartig. Wieder und wieder spiegelt sich ihr seltsam ehrliches lachen in meinen Augen, auch wenn es zwischendurch getrübt wurde. Irgendeine Beziehungskiste ihrer Kollegin (die sich übrigens Leila nennt), drohte, den Abend wie Perlen vor die Säue zu werfen. Wir haben es geschafft, uns nicht verunsichern zu lassen. Ich würde mir auch etwas seltsam vorkommen, würde mir irgendein Kerl den Abend versauen, auch wenn ich Leila bedaure. Ich verstehe das eh nicht: Die schönen, selbstbewussten Frauen, die am Ende bei irgendwelchen seltsamen Herren landen. Gefesselt, als gäbe es kein Jenseits der diesseitigen Norm. Ich mag die Bewegungen von Nicki, ihr getanze, bin aufgeregt, als sie meine Hand nimmt. Ich kann nicht wirklich sagen, was zur Zeit in mir vorgeht. Ich habe das Gefühl, mich zu beobachten, einfach die Dinge geschehen zu lassen.

Nach so langer Zeit, in der ich nur Wut und Trauer in mir fand, bin ich glücklich, kann ich lachen. Ich bin nach Hause gehüpft, vom Moritzplatz aus, fast getänzelt, keine Ahnung, warum genau, und finde es auch völlig unwichtig. Und obwohl sich meine These bestätigt fühlt, geht es mir gut. Der Frage, welche These ich denn meine, will ich keiner Antwort schuldig bleiben. In unseren modernen Zeiten verfügen wir über eine vielzahl von Kommunikationsmitteln, unser (und hier spreche ich von mir und Nicki) Mittel zum Zweck nennt sich ICQ. Und ich sagte ihr, gestern Nachmittag, also lange bevor wir ins Sage gingen, dass ich sie nach Hause bringen werde. Das sie die Treppe hoch gehen wird. Ich gehe die Treppe hinunter, zur Ubahn. Auf sie wartet ihr Freund, ich muss auf die Ubahn warten. So seltsam sind sie manchmal, die Launen des Lebens. Nur was davor geschah stand so nicht in meinem Erwartungshoriziont, irgendwer sagte ja auch, hohe Erwartungen garantieren tiefe Enttäuschungen. Wir sitzen vor Ihrer Haustür, ihr Schlüssel streichelt mein Knie, während ich ihres berühre, sie berührt mein Herz. Sie sagt mir, es sei zwar oberflächlich, aber ich bin so dünn: Das ist Toll. Mein Selbstbewusstsein mag ein kaputtes Kniegelenk sein, in diesem Moment war es im Begriff, zu springen. Das sie schön ist, sage ich ihr schon so oft, sie weiss nicht, was an ihr so toll ist. Auf dem Heimweg schreibe ich ihr: Weil du einfach du bist. Das sollten wir wohl alle. Einfach wir selbst sein. So denke ich, und jeder soll doch bitte die Freiheit haben, das anders oder genau so zu sehen.

Wir sind am Dienstag verabredet, ich werde sie ins „süß war gestern“ schleppen, morgen sehe ich sie wieder, und am Samstag war süß dann gestern. Oder in Nürnberg, da kommt sie nämlich her. Während ich mir meine kurzen Haare noch im Spiegel anschaue, entdecke ich eine Träne, die mir die Wange hinunter rinnt. Sie ist salzig. Aber ich weiss nicht, welchem Gefühl sie entspringt. Musik ist mein Leben, und mein nächstes Stück trägt deinen Namen. Obwohl du nicht mein Leben bist. Das ist wohl das erste mal, dass ich dich direkt anspreche, aber auch das muss sein. Du liebst Briefe, vielleicht ist das einer. Jeder kann ihn lesen. Aber halten kannst nur du ihn.

Kleine Paula, wir sehen uns. Zwischen Nachtaktiven Fröschen, wie wir es heute waren, und der nächsten Woche. Du hast mich. Mach, was immer du willst. Gute Nacht.

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