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Herr Dr. Eulenberg


In den tiefen meiner Festplatte, die zu meinem Laptop gehört, schlummert ein Text über meine Rückfahrt vom Elbflorenz zur Spreemetropole. Aufgrund eines defektes der Grafikkarte, dessen Reperatur mich mehr als 500,00 Euro kosten soll, ist es mir derzeit nicht möglich, auf eben Diesen zuzugreifen. Nichts destotrotz laufe ich erhoben Hauptes durch die Stadt. Es ergibt ja auch keinen Sinn, mich deshalb schlecht zu fühlen. Es wird der Tag kommen, an dem ich mir eines dieser modernen Interfaces kaufe, in die ich die datenbeladene Platte schiebe, um via USB in meiner Vergangenheit zu kramen. Man sieht schon: Mein Leben ist eine Anhäufung spannungsgeladener Momente. Ein mir bekanntes Nashorn, Herr Dr. Eulenberg, seines Zeichens Doktor der Philosophie, würde wahrscheinlich sagen, hinter dem Verlust steckt ein tieferer Sinn. Da Herr Dr. Euenberg allerdings niemanden zu Wort kommen lässt, wüsste er gar nicht um den Verlust. Wie dem auch sei, Eulenberg erzählte mir eines Tages (wir trafen uns in einem Starbucks, ich frage mich bis heute, seit wann Nashörner Kaffee trinken), ihm sei etwas wunderliches passiert. Während eines Besuches unseres hochverschuldeten Hauptstadtzoos wanderte er am Gehäge seiner Artgenossen vorbei. Eines eben jener Exemplare erregte sein Aufsehen, denn es war gar kein Nashorn. „Hören sie, Herr Bohm, sie werden es nicht glauben, aber das war einfach ein übergewichtiges Einhorn. Was ist mit euch Stadtmenschen los? Seit ihr nicht in der Lage, ein Nashorn von einem Einhorn zu unterscheiden?“ Kurz denke ich darüber nach, nicht, dass ich etwas hätte einwerfen können, Sie erinnern sich, der Herr Doktor lässt ja niemanden zu Wort kommen. Aber doch, den restlichen Tag dachte ich darüber nach. Vielleicht sollte ich einfach den überteuerten Eintrittspreis für den Zoo zahlen, um mich mit dem Einhorn zu unterhalten. Da würde mich ja doch interessieren, wie es die eigene Position bewertet, wie es sich unter Nashörnern fühlt. Und vor allem: Wo seine Artgenossen geblieben sind. Ich werde mir das überlegen. Für entscheidungsrelevante Kommentare bin ich offen, um nicht zu sagen: Dankbar. Jetzt werde ich Martini trinken gehen. Hoffentlich trinken Nashörner keinen Martini.

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