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Begrifflichkeiten


Niemand wechselt seine Kleidung so oft, wie das Leute tun, die das ganz oft tun. So viel tun in einem Satz tut nicht gut, ich muss mich mal etwas beherschen. Nachfolgend meine Katzengeschichte, mit fröhlichem MIAU!

E s war eines frühen morgens in Lichterfelde, als eine wohlgenaehrte, jedoch etwas verwirrt in die Umwelt schauende Katze folgender Gedanke durch den Kopf schoss:
„Warum heisst dieser Ort nun eigentlich Lichterfelde?“

Sie sehen an dem in Gänsefüßchen daher kommendem Gedanken, dass diese durchaus wohlgenährte Katze nicht nur etwas verwirrt in die Umwelt schaute, nein, sie widmet sich auch den ganz grossen Geheimnissen dieser Welt. Was sollte sie auch sonst tun? Sie hat ja keine Sorgen. Sie ist wohlgenährt, gut, sie schaut etwas verwirrt in die Umwelt, aber sonst: Also, es geht ihr gut, Und wenn es einem gut geht, dann kann man sich eben mit solchen Sachen beschäftigen. Nun hoere ich sie schon von ferne Rufen:

Halt! Wenn, ja, wenn sich diese Katze den ganz grossen Geheimnissen unserer Zeit widmet, weil sie ja durchaus wohlgenaehrt ist, wenn sie auch etwas verwirrt in die Umwelt schaut, es geht ihr ja gut, warum, frage ich Sie
(fragen Sie mich?) schiesst ihr nicht durch den Kopf:

„Warum stehen meine Gedanken in Gänsefüßchen?“
An dieser Stelle schreite ich ein und sage:

Halt! Ich freue mich, dass sie dem Verlauf der Geschichte folgen, und wissen, dass jener Anfangsgedanke unserer wohlgenaehrten (wenn auch etwas verwirrt in die umwelt schauenden) Katze in Gaensefueschen stand. Oder das immer noch tut, er steht ja noch dort oben. Jedoch: Die Katze weiss ja nichts davon! Sie ist es ja, die denkt, und nicht schreibt. Das waere aber auch zu komisch: Eine wohlgenaehrte, jedoch etwa verwirrt in die Umwelt schauende Katze, der des fruehen morgens der Gedanke durch den Kopf schiesst: „Warum heisst dieser Ort eigentlich Lichterfelde?“ bemueht sich, in der Position des beobachtenden Erzahlers, zu eroertern, warum Ihr Gedanke in Gänsefüßchen steht. Das ist doch voellig absurd! Also setzen sie sich wieder hin, um Gottes willen, und bringen sie nicht den Verlauf dieser Geschichte voellig durcheinander. Stehen geblieben waren wir ja an folgender Stelle:

Eine – ich moechte das kurz betonen – wohlgenaehrte, obwohl etwas verwirrt in die Umwelt schauende Katze fragt sich, wieso der Ort Lichterfelde eigentlich so heisst, wie er heisst. Das war nicht etwa ein besonderer Gedanke. Sie fragte sich des oefteren Fragen solch weltbewegender Tragweite. Eines – und ich moechte betonen anderen – morgens beispielsweise, erhaschte unsere (sie wissen ja, wohlgenaehrt, etwas verwirrt in die umweltschauende) Katze eine Bachstelze. Dabei kam Ihr der Gedanke, das ein Bach ja keine Stelzen benoetigt. Ein Bach geht nicht, ein Bach fliesst, und noch nie hatte sie gehoert, das man zum fliessen Stelzen benoetigt. Das waere ja auch verrueckt! Und waere Ihr Name – Bachstelze naemlich – auch nur Metaphorisch fuer Ihre Stelzenartigen Fuesse, so macht es doch keinen Sinn, sie Bachstelze zu nennen. vielmehr ist unsere wohlgenaehrte, ja, sie wissen, auch etwas verwirrt in die Umweltschauende Katze geneigt, diesen Vogel Stelzenartiger Fuss zu nennen. Sie verwirft diesen Gedanken aber ganz, und bleibt bei Vogel. Jetzt hoere ich wieder jemanden rufen:

Halt! Wenn doch die Katze einen Blick auf eine Bachstelze erhascht, so muss sich Ihr Jagdinstinkt doch regen! Warum, frage ich Sie (fragen Sie mich?), beschaeftigt sich unsere Katze mit der Namensgebung eines Vogels, anstelle Ihn zu jagen?

Ich kontere gewitzt mit einem: „Halt!“, und bitte Sie, sollten Sie sich dieselbe Frage gestellt haben, sofort den Raum zu verlassen. Sie haben entweder nicht zugehoert, oder sind ein Idiot. Es ist ja eben nicht irgendeine Katze, sondern eine wohlgenaehrte, wenn auch etwas verwirrt in die Umwelt schauende Katze. Waere es eine Hungrige, womoeglich voellig idiotisch in die Umwelt grinsende Katze, ja, dann wuerde sie diesen Scheissvogel einfach fressen. Aber es ist nunmal keine Hungrige, womoeglich voellig idiotisch in die Umweltschauende Katze.

Wahrend jetzt also unsere Störenfriede hoffentlich den Raum verlassen haben, können wir ja in der Geschichte fortfahren.

Vielleicht erinnert sich der ein oder andere, das eine wohlgenährte Katze, die etwas verwirrt in die Umwelt schaut, eines Morgens tief in Gedanken versunken war, und sich folgende Frage ersann: „Warum heisst dieser Ort nun eigentlich Lichterfelde?“. Dieser, in Gaensefueschen daherkommende, und von Bachstelzen wahrscheinlich noch nicht gedachter Gedanke lag Ihr etwas schwer im Magen. Sie knabberte schon eine Weile an eben diesem, viel länger, als an der Bachstelze, an der ja auch nicht soviel zu knabbern ist. Nun wird sich sicherlich jemand erbarmen, und folgende Worte lautstark in den Raum trompeten:

Halt! Ich denke, die Katze ist wohlgenaehrt, wenn sie dabei auch etwas verwirrt in die Umwelt schaut! Ihr gefüllter Magen stillt doch Ihren Bluthunger, Sie haben doch gerade erst jemanden herausgeworfen, der nicht verstehen wollte, warum die Katze die Bachstelze nicht einfach frass! Und nun reden Sie davon, wie Sie an eben dieser knabbert! Ich frage Sie (fragen Sie mich?) schämen sie sich denn nicht, hier so ganz opportun durch Ihr Prosa zu huepfen, ohne Ruecksicht auf Verluste? Sie Lausebub!

Halt! Ich moechte kurz einwerfen, dass mir die Sache jetzt zu bloed wird. Nicht nur, dass sie nicht begreifen, dass jene wohlgenaehrte, wenn auch etwas verwirrt in die Umwelt schauende Katze die oben genannte Bachstelze Metaphorisch und nur in Gedanken abknabberte! Nein, das ist noch nicht Alles! Viel schlimmer die Tatsache, dass ich zum wiederholten male unterbrochen werde! Jetzt sage ich aber:

Halt! Ich habe keine Lust mehr, diese Geschichte zu erzählen.Sollte sich jemand fragen, warum Lichterfelde Lichterfelde heisst, so moege er in Lichterfelde eine wohlgenaehrte, etwas verwirrt in die Umwelt schauende Katze aufsuchen, um sich mit Ihr darüber aus zu tauschen. Worum es aber wirklich ging, in dieser Geschichte, das werden Sie nie erfahren!

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