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Abschied vom Morgen


Da dachte ich, während des Aufwachprozesses, mein Gott, muss das früh sein. Just in dem Moment wurde mir aber gewar, das ich Rollos (so geschrieben??) besitze, eben jene hinuntergelassen sind und sich die raumerfüllende Dunkelheit so erklären lässt. Also schaue ich auf meine Uhr, die mir verrät: Nein, es ist nicht früh am Morgen, es ist genau 13:23, und ich erschrack. Hinter mir liegen glatte 13 Stunden schlaf, 23 Minuten brauche ich ja immer zum einschlafen. Vielleicht war es doch eine Rohypnol zu viel. Wie dem auch sei, ich wusch mir Gesicht und Hände, sowie Schlaf aus den Augen. Dabei fällt mir ein, dass Schlaf ja eigentlich eine tolle Sache ist. Warum zum Teufel nennt man diese ekelhaften, popelartigen Rückstände in den Augen so? Das grenzt ja an Perversion. Ich werde mich an die Dudenkomission wenden. Es ist eh mal wieder Zeit für eine Rechtschreibreform. Das merke ich schon an meiner Grammatik. Die lässt auch zu wünschen Übrig. Im Zoo war ich übrigens noch nicht, man gab mir noch keine guten Argumente, weshalb ich mich dorthin begeben sollte. Ausserdem habe ich Angst, dass jenes Einhorn tatsächlich mit mir redet. Ich meine, ich kenne ein habilitiertes Nashorn, das ununterbrochen redet, wenn da jetzt noch ein Einhorn dazu kommt – nein, nein. Was mich aber doch sehr interessiert: Seit wann ist es Mode, seine geistigen Ergüsse mittels Rasierklinge in S-Bahnscheiben zu verewigen? Und was bedeuten all diese kruden Abkürzungen? Manchmal denke ich mir, ich bin eigentlich in einem anderen Jahrhundert groß geworden, anschließend in so einen Zeitstrudel geraten, und jetzt sitze ich hier zwischen Facebook, Twitter, iPhone und verschlüsselten Botschaften auf Bahnscheiben. Nicht das ich ein Anhänger dieser seltsamen „früher war alles besser“ – Auswüchse bin. Jedoch bin ich nicht abgeneigt, mich zu Fragen, ob unser sogenannter Fortschritt nicht doch rüchschrittlich ist. Ich meine, Bananen sind eine tolle Sache, viel besser, als z.B. Atombomben. Gut, auf den Schalen ausrutschen, das kann passieren. Nur finde ich das Ausmas im direkten vergleich sehr vertretbar (welch unglaublicher Wortwitz!). Nun gut, mein Akku ist gleich passe, und wie man diesen Strich über dem e macht, weiss ich auch nicht. Also, bis morgen, schöne, neue Welt.

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Herr Dr. Eulenberg


In den tiefen meiner Festplatte, die zu meinem Laptop gehört, schlummert ein Text über meine Rückfahrt vom Elbflorenz zur Spreemetropole. Aufgrund eines defektes der Grafikkarte, dessen Reperatur mich mehr als 500,00 Euro kosten soll, ist es mir derzeit nicht möglich, auf eben Diesen zuzugreifen. Nichts destotrotz laufe ich erhoben Hauptes durch die Stadt. Es ergibt ja auch keinen Sinn, mich deshalb schlecht zu fühlen. Es wird der Tag kommen, an dem ich mir eines dieser modernen Interfaces kaufe, in die ich die datenbeladene Platte schiebe, um via USB in meiner Vergangenheit zu kramen. Man sieht schon: Mein Leben ist eine Anhäufung spannungsgeladener Momente. Ein mir bekanntes Nashorn, Herr Dr. Eulenberg, seines Zeichens Doktor der Philosophie, würde wahrscheinlich sagen, hinter dem Verlust steckt ein tieferer Sinn. Da Herr Dr. Euenberg allerdings niemanden zu Wort kommen lässt, wüsste er gar nicht um den Verlust. Wie dem auch sei, Eulenberg erzählte mir eines Tages (wir trafen uns in einem Starbucks, ich frage mich bis heute, seit wann Nashörner Kaffee trinken), ihm sei etwas wunderliches passiert. Während eines Besuches unseres hochverschuldeten Hauptstadtzoos wanderte er am Gehäge seiner Artgenossen vorbei. Eines eben jener Exemplare erregte sein Aufsehen, denn es war gar kein Nashorn. „Hören sie, Herr Bohm, sie werden es nicht glauben, aber das war einfach ein übergewichtiges Einhorn. Was ist mit euch Stadtmenschen los? Seit ihr nicht in der Lage, ein Nashorn von einem Einhorn zu unterscheiden?“ Kurz denke ich darüber nach, nicht, dass ich etwas hätte einwerfen können, Sie erinnern sich, der Herr Doktor lässt ja niemanden zu Wort kommen. Aber doch, den restlichen Tag dachte ich darüber nach. Vielleicht sollte ich einfach den überteuerten Eintrittspreis für den Zoo zahlen, um mich mit dem Einhorn zu unterhalten. Da würde mich ja doch interessieren, wie es die eigene Position bewertet, wie es sich unter Nashörnern fühlt. Und vor allem: Wo seine Artgenossen geblieben sind. Ich werde mir das überlegen. Für entscheidungsrelevante Kommentare bin ich offen, um nicht zu sagen: Dankbar. Jetzt werde ich Martini trinken gehen. Hoffentlich trinken Nashörner keinen Martini.

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